Von Sarrazin und seinem Geschreibsel kann man halten was man will. Den Beifall aus der falschen Ecke (NPD) habe er nicht gewollt, sagt er – indes: es dürfte keinen ausser ihn selbst verwundern. Die schräge Argumentationskette, „Türken sind scheisse, aber Rassisten finde ich auch nicht gut“ ist nicht neu – und man hört sie so, oder in abgewandelter Form oft genug, wenn man sich aus Masochismus oder purer eigener Blödheit mit den falschen Leuten unterhält. So weit, so normal.
Ein relativ neues Phänomen sind hingegen die zwanghaften “gegen den Strom”-Schwimmer. Je breiter die Front, die gegen jemand aufgestellt wird, desto mehr scheint es für das eigene Ego zu bringen, sich gegen die allgemeine Meinung zu stemmen. So geschehen beim Thema Klimawandel, wo man durch lauthalses “Klimalüge”-krähen punkten konnte, so auch bei Sarrazins Buch. Man ist ja so herrlich unangepasst, hat keine Tabus, ist nicht „political correct“ … nein, man ist ein Freigeist – was man mit der Zustimmung zu, bzw. zumindest der Verteidigung von Sarrazins Thesen ja nun wohl eindeutig bewiesen hat. Was der Mann da an Grausligkeiten behauptet, scheint dabei eher eine Nebenrolle zu spielen – Hauptsache, man schwimmt gegen den Strom und hat eine “eigene” Meinung. Ich finde sowas deutlich unangenehmer als die Äusserungen der normalen Rassisten. Die sind auf ihre Art wenigstens ehrlich. Aber wer sich an den galoppierenden Schwachsinn von Sarrazin ranschmeisst, nur weil die Merkel nun mal böse – aber offiziell dagegen ist, ist schlicht und einfach ein Idiot. Ein Vollidiot.