Archiv für April 2009

Ich habe ja prinzipiell nix gegen dich – und der DHL-Mann ist immer noch mein bester Freund, aber … wie soll ich sagen … also das mit den neuen Briefkästen würde ich noch mal überdenken, echt jezz.
Briefkasten
… obwohl der Einwurfschlitz ja schon fett breit ist!

Aktuelle ganz oben bei SPON, ein Artikel der so losgeht:

“Drohen wegen der Rezession in Deutschland soziale Unruhen? Mit ihren umstrittenen Äußerungen wird SPD-Präsidentschaftskandidatin Gesine Schwan zur Belastung für ihre Partei. Eine Debatte, wer der größte Schwarzmaler im Land ist, können sich die Sozialdemokraten nicht leisten.”

Sagt das neoliberale Schmierblatt, dass seit einem Jahr quasi jeden Tag mit neuen Horrormeldungen über die ach so schlimme Wirtschaftslage aufmacht. Siehe auch: Enteignet SPIEGEL (I) – da steht das Interwiew – und ich kann immer noch nicht die unhaltbare Panikmache entdecken – nicht ansatzweise.

Wie titelt SPON heute? So: “Arbeitgeber und Politiker verdammen Warnung vor sozialen Unruhen

Huh. Was war denn los?
Das war los: am Tage zuvor sagte Gesine Schwan in einem Interview folgendes:

(Es) hat sich ein Ärger und dann eine Wut angesammelt, darüber dass es so große Diskrepanzen gibt in unserer Gesellschaft zwischen arm und reich, darüber, dass diejenigen, die Verantwortung getragen haben, sie de facto gar nicht tragen können, weil jetzt andere dafür haften müssen, nämlich zum Teil die Menschen selbst, über Steuergelder.

In dem Spon-Video folgen direkt im Anschluss an den Interviewausschnitt Bilder einer esklierenden Demonstration nebst off-Kommentar:

“Will Gesine Schwan mit der Angst vor Gewaltausbrüchen im inoffiziellen Wahlkampf ums Schloss Bellevue punkten? Bei Parteifreunden kann sie das nicht unbedingt: SPD-Kanzlerkandidat Frank Walter Steinmeier warnt vor Schwarzmalerei …

danach dann ein Ausschnitt einer gewohnt staatstragenden floskelhaften Rede Steinis.

Der Rest des Schwan Interviews wird in dem Spon-Video leider nicht gezeigt. Vermutlich, weil er nicht so recht in das mühsam zurechtgebastelte Konzept der panikschürenden Bundespräsidentschaftskandidatin passt. Schwan sagte nämlich weiter:

“Ich will überhaupt nicht Angst schüren. Angst ist der schlechteste Ratgeber, den man sich denken kann, aber ich glaube wir müssen wahrhaftig sein, wir müssen eine Art Flucht in die Wahrheit antreten. Nur so können wir auch Vertrauen herstellen.”

Insgesamt also ein schönes Beispiel dafür, wie die Presse durch entsprechende Verkürzungen, suggestive Kommentare und Krawallbilder aus einer durchaus nicht blöden Äusserung einer deutschen Politikerin einen Skandal zu stricken versucht. … Und ein weiteres Beispiel dafür, zu was für einem grottendämlichen reaktionären Drecksblatt der Spiegel geworden ist.

Es gibt kaum eine Krankheit, die so nervenaufreibend, kräftezehrend, ätzend, folgenschwer, rammdösig machend, sinn- und zwecklos, blöd- ja saublöd sogar, gnadenlos und für alle Beteiligten anstrengend ist, wie akuter, schwerer Adjektivismus.

Aus der Einladung:

Der hamburger Maler, Holzschneider und Zeichner Jon H stellt seine neuen farbintensiven Serien aus. Klein- und Mittelformate erzählen von Landwirtschaft, sozialistischen Idealen, Wald und Fluss – gemalt und gekratzt auf Holz und Leinwänden. Seine melancholisch anmutende Popart ist geprägt durch einen freien Kunstdiskurs mit dem was wirklich zählt: Farbfernsehen, Plakate, Zeitung, Comics und Internet und dem Missverständnis die Welt so zu sehen wie sie ist.

Nun ist das ja so eine Sache mit Lobhudeleien bei Leuten, die man persönlich kennt. Deswegen halte mich mich zurück und … Ach was, das sind grossartige Werke! Zum größten Teil bestehen die im Artstore gezeigten Bilder aus einer Serie, die an den sozialistischen Realismus angelehnt ist. Anders als bei den durch und durch ernsten Originalen schleicht sich bei Jon allerdings immer wieder der Wahnwitz ein – der Ausdruck in den Gesichtern ist oft ambivalent und somit eine Projektionsfläche für eigene Deutungen. Wer sich nicht in das, leicht ins manische spielende, Lächeln der Arbeiterin mit dem Vorschlaghammer verliebt, hat ein Herz aus Stein und wer sich angesichts des arbeiterküssenden Soldaten nicht fragt, was um Gottes Willen wohl gerade in deren Köpfen vorgeht, ist taub doof blind gut damit beraten, das Bild zu kaufen, zuhause an die Wand zu hängen und noch mal darüber nachzudenken.

Vernissage1
Vernissage2
Vernissage5

Die Bilder stammen von der Vernissage (die später noch deutlich besser besucht war), die Ausstellung läuft noch bis zum
17. April im
Artstore StPauli
Wohlwillstraße 10 – 20359 Hamburg
Di – Sa von 12.30-18.00 Uhr